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Nadine Golomb

Auf Biegen und Brechen …

Vielen von euch haben über die sozialen Medien von dem Zirkuslektionenkurs eines bekannten Pfertrainers gehört, bei dem ein Pferd zu Tode gekommen ist.

Mich persönlich beschäftigt das Ganze schon recht lange.

Der Vorfall ereignete sich im April 2017, ich erfuhr einige Monate später durch eine befreundete Trainerin davon.
Es berührte mich, weil hier ein Tier bei einer Freizeitbeschäftigung ums Leben gekommen ist, die eigentlich BEIDEN – Pferd und Mensch – Freude machen soll.
Dann erfuhr ich, welcher Trainer den Kurs gegeben hatte – und war geschockt.

Ich hatte diesen Trainer auf der Equitana in Essen, im März 2013, persönlich kennengelernt.
Ich war mit der VFD vor Ort und begleitete sie fotografisch durch zwei Messetage.
Dabei lernte ich Peter Pfister kennen, der als Trainer zu der Zeit auch mit der VDF zusammengearbeitet hat.
Ich sah, wie er mit seinem Pferd arbeitete. Und ich war sehr angetan.

Auch 2013 war ich nicht erst frisch dabei – sondern bereits seit vielen Jahren mit Pferden vertraut, hatte selbst mit meiner Haflingerstute ein paar Zirkuslektion mit Trainerhilfe erlernt.
Ich habe auch durchaus schlechten Umgang mit Pferden – gerade bei Shows und Vorführungen – gesehen. Ich war also nicht unbedarft.
Herrn Pfisters Arbeit gefiel mir sehr. Der Umgang – selbst in dem Trubel der Messehalle im Showring – hatte etwas Leichtes, Partnerschaftliches.
Wir unterhielten uns zwischendurch – und fassten ins Auge, dass ich ihn mal mitsamt der Kamera besuche und Fotos von ihm beim Training mache. Ich stand da echt hinter. Ich, die damals schon immer gesagt hat: Wer sein Tier quält, sollte mir besser aus dem Weg gehen.

Ich hatte mich echt drauf gefreut!

Dann lief 2013 für mich persönlich einfach nicht besonders gut, denn meine Gesundheit machte viele Pläne zu nichte und warf mich dann im Spätsommer ganz aus der Bahn.
Es dauerte seine Zeit, wieder voll einsatzfähig zu werden – und in der Zeit haben sich einfach Dinge dauerhaft „erledigt“.
Neben der Parnerschaft mit der VFD ist auch eine mögliche Zusammenarbeit mit Peter Pfister im Sande verlaufen.

Schade, dachte damals noch. Aber ich wollte auch Dingen nicht nachtrauern,

So verlor ich Herrn Pfister ein bisschen aus den Augen.

Und dann höre ich, dass ausgrechnet er, einer der Trainer die sich bei mir als positiv eingebrannt hatten, für den Tod eines Pferdes (mit)verantworlich scheint.
Ich war schockiert. Ich habe mich schwer getan, das zu verdauen.
Von Herrn Pfister selbst kam auch keine öffentliche Stellungnahme, die mich hätte (zumindest ein bisschen) trösten können.

Das Geschehene hätte natürlich nicht rückgängig gemacht werden können – aber ich habe mich gefragt: WARUM ist das passiert? Was hat er „falsch“ gemacht, dass es zu einem solchen Unglück kommen konnte?
Das Ganze wurmte in mir – aber eine echte Antwort fand ich nicht.

Vor ein paar Tagen stellte ein anderer Trainer ein Video des Vorfalls ins Internet.
Glaubt man einem Zeitungsartikel, ging dem ganzen ein Streit beider Trainer vorweg – und es hieß, einer wolle den anderen nur schlecht machen.
Das steht für mich aber hier gar nicht zur Debatte – ich selbst bin kein Trainer. Und ich neige auch nicht dazu, andere Menschen aufgrund eines Fehlers zu verunglimpflichen, ja vielleicht sogar ihre Existenz zu zerstören.

Bis dahin wollte ich mir dazu, wer nun wie für den Tod des Pferdes verantwortlich ist, gar kein Urteil bilden.
Ich wusste einfach zuwenig.

Und nun kam da dieses Video.
Das Video stammt – so verstehe ich es – von der Reitbeteilung des verunglückten Pferdes, die den Trainer Uwe Jourdain nach seiner Meinung zu diesem Vorfall gefragt hat.

Das Video hat Herr Jourdain nun öffentlich ins Netz gestellt.
Es fiel mir schwer – aber ich musste es mir anschauen. Weil ich wissen wollte, was falsch gelaufen ist.

Das Video entstand in einer Reithalle, gefilmt von der Bande aus.
Der Trainer Peters Pfister arbeitet mit einer kleinen Stute, die auf mich einen ausgeglichenen Eindruck macht.

Da merkte ich zum ersten Mal, dass an den Aussagen drumherum irgendwas nicht ganz stimmen konnte.
Ich habe Aussagen gehört, die das Pferdchen als „schwierig“ und als „Steiger“ beschreiben.

Als schwierig sehe ich die kleine Stute nicht an.

Sie macht mit, wenn sie auf mich auch wirkt, als wisse sie nicht, was sie von dem Ganzen halten soll.
Das Vertrauen zu dem Menschen, der mit ihr arbeitet, fehlt in meinen Augen.

In dem Video geht es darum, dass Peter Pfister der kleinen Stute das sogenannte Kompliment beibringen will.
Es sieht ein bisschen aus wie ein „Knicks“ – das Pferd streckt ein Vorderbein (auf dem Boden stehend) nach vorne, auf das andere „kniet“ es sich. Die Übung gilt als Vorbereitung für das Liegen.

Der Trainer nutzt hier die Fußlonge. Diese legt er zwischen Huf und Fesselgelenk der Stute (mit einer Schlaufe) und wirft das lange Ende der Longe über den Rücken und zieht es wieder unter ihrem Bauch her. Zieht er nun an der Longe, wenn das Pferd das Bein im Ansatz hebt, hat damit die Möglichkeit, ihr das Bein hochzuziehen und ohne viel Kraft zu fixieren.
Das Pferdchen steht damit auf drei Beinen. Das stehen auf drei Beinen selbst ist in Ordnung für ein Pferd – aber zu merken, dass es gefesselt ist, nicht schnell weglaufen kann, das ist für ein Pferd Stress. Denn Pferde sind Fluchtiere. Das wird zwar immer schnell gesagt – aber leider auch ebenso schnell wieder vergessen. Aus Pferdesicht ist die Stute in diesem Moment in Lebensgefahr – völlig ungeschützt vor sämtlichen Feinden.

Der Trainer geht dan hin und bewegt das Pferd „runter“ – damit das hochgebundene Bein mit dem Vorderfußwurzelgelenk (das ist das, was viele Laien immer für das Knie halten, das große, runde Gelenk) den Boden berührt und das Pferd auf dem unteren Teil des Beines auf dem Boden ruht.

Die Übung Kompliment ist generell keine Schlechte – das meine ich nicht.
Nur sollte uns mit unserem Wissen von heute klar sein, dass Druck und Gewalt der falsche Weg sind, das Ziel zu erreichen.
Aber damit könnte man jetzt ein Buch füllen.

Zurück zum Video.
Die Stute weigert sich ab einem gewissen Punkt. Der Ansatz ist da, aber das Lob des Trainers erreicht sie nicht. Sie weiß immer noch nicht, was man von ihr will – obwohl sie auf dem „richtigen“ Weg war. Vielleicht kann sie es körperlich nicht, vielleicht hat sie auch einfach Angst davor, dass man sie hier gerade gen Boden zwingt.

Das Ergebnis ist das gleich: Sie wehrt sich gegen diesen Druck. Wohlgemerkt: NUR gegen den Druck. In keinem Moment ist sie irgendwie aggressiv gegen einen Menschen.
Die Stute steigt – geht nach oben, um der Situation zu entfliehen.

Zunächst noch etwas verhalten.

Ein zweiter Mensch wird dazu geholt, der die Stute mit einem zweiten Strick festhalten soll – weil sie „damit nicht durchkommen soll“ – ihr müsst im Video mal auf den O-Ton achten.

Hallo? Noch mehr festhalten? Noch mehr etwas tun, was ihr gerade so viel Probleme macht?
Darauf gehe ich gleich mit einem anderen Beispiel genauer ein.

Die erste Person hält scheinbar „nicht gut genug fest“. Jemand anderes kommt dazu und ersetzt sie.
Die Gegenwehr der Stute beim erneuten Versuch des Kompliments auf diesese Weise (nochmal: Bein Hochziehen und unter dem Bauch fixieren, gleichzeitig das Pferd gen Boden zwingen) wächst.
Sie steigt noch höher – und fällt hinten über. Schon hier ein Alptraum, der mich als Pferdebesitzer über die Bande hätte springen lassen und mein Pferd hätte schnappen lassen.

Aber was passiert?
Man macht weiter.
Die Stute, die sich beim ersten Überschlag schon sichtbar weh getan hat, überschlägt sich ein zweites Mal.

Der dritte Überschlag wird gnädigerweise nicht gezeigt.
Er kostet sie nämlich das Leben, weil sie sich das Genick bricht.

Ein hoher Preis für eine Freizeitbeschäftigung, die Pferd und Mensch gleichzeitig Freude machen soll.

Mir ist unbegreiflich, warum man nicht aufhört, wenn schon zweimal (!) eine Reaktion wie das Überschlagen passiert ist.
Ist man dann als Trainer „unten durch“, weil man „versagt“ hat?
Kann man den Menschen nicht vernünftig erklären, das ihr Tier das jetzt (noch) nicht lernen kann? Sondern, dass man erstmal an anderer Stelle arbeiten muss? Ich meine, gerade unter denen, die ihre Pferde aus Liebe zum Tier haben – und kein Geld damit verdienen – gerade die sollten doch empfänglich für die Grenzen ihres Tieres sein, oder?

 

Ich bin schockiert von dem Versagen meiner Menschenkenntnis beim Trainer Peter Pfister.
Ich frage mich die ganze Zeit: Hat er sich verändert seit damals? Oder war er damals schon so rücksichtslos?
Hat er seinen Pferden die Lektionen ebenfalls so hart beigebracht und nur Glück gehabt, dass nichts passiert ist?
Oder sind solche Dinge passiert und in den Mantel des Schweigens gehüllt?

Beim Kompliment ist in meinen Augen der Weg das Ziel.
Es sollte zusammen von Mensch und Pferd im Team erarbeitet werden.

Der Trainer soll mich begleiten, wie ich es meinem Pferd beibringe – und es nicht erzwingen und mir dann ein Pferd zurückgeben, dass jetzt „ganz toll“ das Kompliment kann. Oder gar nichts mehr kann, weil es sich das Genick gebrochen hat.

Habe ich das damals nicht gesehen?
Ich dachte immer, ich sehe, ob jemand fair mit seinem Tier umgeht.

Vielleicht hatte ich zuwenig Zeit damals, es zu erkennen.

Vielleicht war mein Blick noch nicht sensibel genug.

Aber ich weiß: Ich schaue nun noch genauer hin. Habe ein ganzes Stück meiner Naivität verloren.

Und ich denke: Die Shows mit Tieren und dem ganz großen Hype können es sich nicht leisten, dass ein Tier mal sagt: Heute will ich nicht. Daher wird – fürchte ich – Tieren geglicher Mut zur Diskussionen genommen.

Und das ist nicht fair!

Ich muss ein Tier immer zur Mitarbeit motivieren – aber niemals, wirklich niemals – darf sein Wille gebrochen werden.

Was bedeutet das für meine Arbeit, die Fotografie?

Ich hatte euch gerade ja schon ein Beispiel angekündigt.
Stellen wir uns vor, wir sind Fotoshooting.
Ein Hund soll fotografiert werden. Ein sehr junger Hund, bei dem das „Sitz“ im Ansatz klappt, aber das „Platz“ so gut wie gar nicht.
Dieser Hund soll während des Fotoshootings das Kommando „Platz“ natürlich nicht bekommen – auch nicht, wenn das „Sitz“ nicht klappen will. Warum soll ich etwas mit einem (für dieses Tier) höherem Schwierigkeitsgrad einfordern, wenn die leichtere Aufgabe dem Tier schon Schwierigkeiten bereitet?
Und ja – hier reden wir noch von Kommandos.
Das Pferd im Video wurde mittels Gewalt in eine Situation gezwungen, die ihm Stress bereitet hat.

Ich war vor einigen Jahren mal in der Situation, ein Shooting abbrechen zu müssen.
Es war eine Veranstaltung, an der ich als Fotografin teilgenommen habe, und die Besucherhunde in einer ruhigen Ecke auf Wunsch fotografiert habe.
Ein vierbeiniger Kandidat für’s Fotografieren war besonders aufgeregt. Ich habe ihn daher erstmal machen lassen und wollte schauen, was er anbietet. Die Menschen waren aber der Meinung, der Hund müsse unbedingt „Platz“ machen, damit „er vernünftig auf den Fotos aussieht“. Man gab das Komando, das nicht fruchtete. Auch mehrere Wiederholungen brachten nichts – auch nicht im schärferen Ton. Hier hatte es bereits von mir ein „Er muss nicht unbedingt liegen“ gegeben. Und auch eine deutlichere Ansage, dass man so bitte nicht mit dem Hund umgehen möge.
Als man den Hund dann mittels Runterdrücken in den „Platz“ zwingen wollte, habe ich die Menschen gebeten zu gehen.
Verstanden haben sie es glaube ich nicht. Aber vielleicht haben die Synapsen ja zumindest noch die Verbindung „Hund schlecht behandelt – nicht die gewünschten Fotos bekommen“ hergestellt.

 

Freilaufbilder von Pferden auf der Wiese?
Ja – die sind toll!
Aber: Habt ihr schonmal überlegt, wie man Pferde in Bewegung bringen kann?
Manchmal hat man das Glück, und sie laufen von alleine.
Manche laufen einmal – da heißt es, vorher im Gespäch herauszufinden, ob sie vom Tor weg auf ihre Wiese rennen – oder ehr von jedem Teil der Wiese schnellstmöglich wieder zum Tor (weil z.B. die Wiese alleine „unheimlich“ ist).

Andere, gerade erfahrene Pferde, kann man sachkundig treiben – viele Pferde kennen das vom laufen lassen im Roundpen oder dem Reitplatz.

 

Aber gerade auch bei den Freilaufbildern muss ich mit euch als Bezugsperson eurer Pferde abschätzen: Wie bewegen wir? Oder tun wir es gar nicht, weil es zu gefährlich wird.

Falls das der Fall ist, gibt es keine Freilaufbilder.

Oder es gibt solche wie z.B. das von Mini-Shetty BEN – an der Longe (von der man Dank Photoshop nichts mehr sieht)

 

Wenn ich mit Tieren arbeite, schaue ich also inzwischen noch genauer hin.

Und hier ist der Link zum Video bei Youtube

 

Jasmin und ihre ACOLADA im Kompliment

So leicht und partnerschaftlich kann es sein

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